Previous Page  13 / 76 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 13 / 76 Next Page
Page Background

Peter Kaiser:

Aus meiner Sicht können die drängendsten Fragen

nur solche sein, die alle Menschen, also weltweit betreffen und die

im optimalen Fall, bei allen einen Denkprozess und/oder ein Han-

deln hervorrufen.

Wenn ich jetzt reflektiere, was aus den Workshops gekommen ist,

so sehe ich eine zentrale Frage: die Verteilungsfrage – dazu gehört

auch das Thema Armut und Reichtum. Wir erleben alle Verteilungs-

fragen, wir erleben sie als kleine Kinder beim Anziehen bei der

Markenware, bei der Verteilung von Wasser und Reis in verschie-

denen Teilen dieser Erde. Dann erleben wir sie schon angereichert

mit viel sozialen Gefühlen wie Neid, Missgunst oder Stolz, sowie in

der Arbeits- und Produktionssphäre und sogar bei Lebenserwar-

tungen gibt es Verteilungsungerechtigkeiten. Daher denke ich, dass

die Frage der Verteilung und der dahinterstehenden Ethik, für mich

die wesentlichste und wichtigste Fragestellung in Zukunft ist.

Die zweite Frage hängt natürlich auch damit zusammen, wie bei Ih-

nen, Herr Küberl, ist die Bildungsfrage. Wir haben in der österreichi-

schen Gesellschaft wenige Zugänge zu einer wirklichen Chancen-

gerechtigkeit, obwohl wir eine relativ gerechte Gesellschaft sind.

Ich meine, dass der Zugang zum Bildungssystem, schon mit den

elementarpädagogischen Einrichtungen beginnt, und danach soll-

ten alle Zutritt zur Schule haben. Die Gesellschaft bemüht sich

auch, die aus anderen Kulturkreisen Kommenden, in die Schule zu

bringen, da der Wert von Bildung allgemein erkannt wird. Das heißt,

diese Chancengerechtigkeit, die es zu Beginn der Lebensentwick-

lung, in einem hohen Ausmaß gibt, bis zum Ende der jeweiligen

individuellen Lebensperspektiven, gilt es zu erweitern und offenzu-

halten. Das ist für mich die zweite ganz große Herausforderung.

Die dritte Frage, ist eine äußerst immaterielle und die mag vielleicht

in meinen eigenen Wahrnehmungen, dessen was täglich weltweit

passiert, begründet sein. Ich orte mehr und mehr, angefangen bei

der herrschenden Politik bis zu den Religionen, von der Kunst und

Kultur bis tief in pädagogische Bereiche, eine Orientierungslosig-

keit. Das ist es, was mir in Wirklichkeit Sorgen macht. Kaum je-

mand ist mehr in der Lage, so etwas wie eine mehrheitsfähige

Grundorientierung zu geben.

Es gibt vielfache moralische Appelle, wie beispielsweise die Zehn

Gebote, „Du sollst nicht töten“ oder, „Teile etwas, wenn du mehr

und andere nichts haben“. Nichts desto trotz sage ich offen und

Politische Bildung

11