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Bildung wurde auch in Kärnten als Schlüssel zur mittelfris-
tigen Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft und damit
zu einem ­Ausgleich der sozialen Gegensätze ­angesehen.
In Klagenfurt waren es die Buchdrucker, die sich mit einem
Fortbildungsverein im September 1868 als erste Arbei-
tersparte eine Interessensvertretung schufen. Vorträge,
Unterricht sowie eine eigene Vereinsbibliothek sollten zur
Fortbildung der Mitglieder beitragen. Parallel dazu rief
man einen Unterstützungsverein ins Leben, der erkrank-
ten Mitgliedern bzw. den Angehörigen verstorbener
Mitglieder im Bedarfsfall finanziell unter die Arme greifen
und darüber hinaus allen durch Klagenfurt durchreisenden
Buchdruckern einen ­„Zehrpfennig“ auszahlen sollte.
Die Initiatoren des 1869 gegründeten ­Klagenfurter
­Arbeiterbildungsvereines waren ebenfalls Buchdrucker.
Am 28. November fand um 14:00 Uhr im Gasthof
„Zur Glocke“ die konstituierende Versammlung statt.
Als zukünftiger Versammlungsort wurde das Gasthaus
„Zum Schwaben“ bestimmt. Der aus Graz stammende
Schriftsetzer Robert Wagner sorgte als Obmann rasch für
eine inhaltliche Neuausrichtung. Dazu gehörte die Organi-
sation von Tagesausflügen – etwa zur Burg Hochos­terwitz
oder zum Stift Viktring – aber auch, dass der Verein seinen
Mitgliedern künftig eine unentgeltliche Stellenvermittlung
bot. Zudem berief er die erste freie Arbeiterversammlung
für den 20. Juni 1870 beim „Sandwirth“ ein.
„Auch hier
[in Klagenfurt]“,
soWagner,
„muß der Arbeiter wissen,
was ihm in einem Rechtsstaate zukommt; auch hier
muß der Arbeiter lernen, seinen rechtlichenWünschen
und ­Forderungen offen Ausdruck zu geben.“
(Dinklage,
Geschichte der Kärntner Arbeiterschaft I, 1976)
Abb.1
Zu diesen Forderungen gehörte auch jene nach finanzi-
eller Absicherung im Krankheitsfalle. Die bisher bereits
innerhalb des Arbeiterbildungsvereines
bestehende und nur den Klagenfurter Raum
umfassende Krankenunterstützungskasse
wurde auf BetreibenWag­ners herausgelöst
und am 1. Jänner 1871 mit ­einem Fonds-
guthaben von 25 Gulden als eigenständige
„Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invali-
den-Kasse für Kärnten“ konstituiert. Neben
der Niederlassung in Klagenfurt folgten
bald Filialen in ganz Kärnten. ­Damit ist sie
Keimzelle der heute bestehenden Kärntner
­Gebietskrankenkasse.
Abb. 2
Wie die Geschichte vieler Arbeiterbildungs-
vereine in der ganzen Monarchie ist auch
jene des Klagenfurters von Kontinuitä-
ten, aber auch Brüchen gekennzeichnet.
­Mehrmals kam es zu einer Auflösung und
anschließenden Neugründung – so etwa
1887 unter Obmann Ferdinand Adenau als
Allgemeiner Arbeiterverein Klagenfurt, zu
dessen Versammlungslokal der „Schwarze
Adler“ erkoren wurde. Dem vorausgegan-
gen war eine vielbeachtete Rede Viktor
Adlers über die Stellung des Arbeiters und
den ­niedrigen Stand der Volksbildung im
Klagenfurter ­Maßlgarten vor über 600
Personen am Ostermontag 1887.
Abb. 3 | Abb. 4 | Abb. 5
Adlers Kritik folgend, legte die Bildungs-
sektion des ­Allgemeinen Arbeiterver-
eines eine rege Tätigkeit an den Tag: So
gab es im ­ersten Halbjahr 1890 neben
­allwöchentlichen Diskussionen über
­Arbeiter- und ­gewerbliche Angelegenhei-
ten auch einen nach eigenen Angaben gut
besuchten Elementarunterricht. Besonders
stolz war man aber auf die Vereinsbiblio-
thek, die inzwischen 434Werke sowie
18 Zeitungen umfasste.
Abb. 6
Nach der Gründung der Kärntner Landes-
gewerkschaftsorganisation im Jahr 1896
­wurde der Allgemeine Arbeiterverein
­Klagenfurt wie alle anderen Kärntner
Arbeiter­bildungs­vereine (weitere bestan-
den z. B. in Villach, Spittal/Drau, St. Veit,
Völkermarkt, ­Hüttenberg usw.) als ein
„allgemeiner Gewerkschaftsverein“ geführt.
DER ARBEITERBILDUNGSVEREIN KLAGENFURT:
Brüche und Kontinuitäten
1
2
Das Hotel Grömmer
(„Schwarzer Adler“)
wurde im späten
19. Jahrhundert
zum Versammlungs­
lokal der ­organisierten
­Arbeiterschaft
­Klagenfurts.
3
4
5
6
Die Delegierten
zur Feier des
­25-jährigen ­Jubiläums
der ­Allgemeinen
­Arbeiterkrankenkasse
für Kärnten in
­Klagenfurt, 1896.
Viktor Adler, der 1889
die ­„Arbeiter-Zeitung“
begründete, konnte im
Rahmen des Hainfelder
Parteitages 1888/89
einen wesentlichen Bei-
trag zur Überwindung der
ideologischen ­Spaltung
der Arbeiterbewegung
­leisten. Zuvor hielt er auf
Einladung des „Allgemei-
nen Arbeitervereines“
eine vielbeachtete Rede
in Klagenfurt.
© dhm
Der Einkehrgast-
hof „Zum Maßl“
­(„Maßlgarten“),
in dem Viktor Adler
1887 seine Rede hielt.
Stempel des 1887
­gegründeten Allgemeinen
Arbeitervereines Klagenfurt.
Gasthaus
„Zum Schwaben“
in Klagenfurt, das
Vereinslokal des
1869 gegründeten
Klagenfurter Arbeiter-
bildungsvereines.
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