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Wenngleich sich die frühe ArbeiterInnensportbewegung
über die Turnbewegung definierte und aus ihr hervor-
ging, fanden weitere Sportarten sukzessive Aufnahme in
den Arbeitersport. Schwimmen, Gewichtheben, Ringen,
Raffball (Vorläufer des Handballs), Faustball, Fußball oder
Skilaufen, um nur einige zu nennen, erfreuten sich zuneh-
mender Beliebtheit, konnten jedoch mit dem raschen Auf-
schwung der Radfahrer nur in Ansätzen mithalten.
Abb. 2
Als frühes Sammelbecken sozialdemokratischer Pro-
minenz (u.a. Victor Adler) vermochte sich die Arbeiter-
radfahrbewegung vonWien aus rasch auf die Provinz
auszubreiten. So zählte der 1899 in Ottakring gegründete
Arbeiter-Radfahrverband unter Alois Zipfinger – heute als
„Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs“ (ARBÖ)
bekannt – amVorabend des ErstenWeltkrieges etwa
24.000 Mitglieder. Dieser zeigte sich mit den Satzungen
des „Arbeiter-Radfahrer-Vereins Klagenfurt“ Anfang April
1902 einverstanden, woraufhin die Statuten des Vereines
von Franz Friedrich und JohannWolf gezeichnet wurden.
(KLA 658-C-242 Ak)
Für Villach ist die Konstituierung eines
Arbeiter-Radfahrvereines für Juni gleichen Jahres belegt.
Wenige Jahre später taten es ihnen Arbeiterradfahrer
aus Ferlach und Umgebung gleich. Sie reichten am
21. Jänner 1905 die Statuten zur Gründung eines
ortseigenen Arbeiter-Radfahrvereines ein.
(KLA 658-C-66 Ak)
InWolfsberg dürfte es im Jahr 1907 zum Zusammenschluss
von Arbeiterradfahrern gekommen sein. Als Indiz hierfür
kann ein am 1. Juli 1923 begangenes „16 jähr. Gründungs-
fest mit Bannerenthüllung“ herangezogen werden.
Abb. 3 | Abb. 4
Der Ausgangspunkt der österreichischen
ArbeiterInnensportbewegung liegt im Jahr
1894, als mit der Gründung des Allgemeinen
Turnvereines Wien, hervorgegangen aus
der Turnsektion des Gumpendorfer Arbei-
terbildungsvereines, die Grundlage für die
Herausbildung weiterer Arbeiter-Turnver-
eine in der Monarchie geschaffen worden
war. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die
frühen Arbeiterturner, die auf eine harmoni-
sche Körperausbildung und größtmögliche
Vielseitigkeit großenWert legten, vom
Einfluss der deutschnationalen Turnerschaft
herausgelöst und gingen dazu über, unter
veränderten politischen Rahmenbedingun-
gen autonome Organisationsstrukturen zu
entwickeln.
In Kärnten waren auf Initiative der
Buchdruckmaschinenmeister Karl Ranz
und Raimund Götz sowie des Schriftsetzers
Wenzel Müller 1909 Bemühungen um die
Benützung eines Turnsaales in Klagenfurt
zunächst gescheitert. Und so sollte es noch
drei Jahre dauern, ehe die Konstituierung
des Vereines „Freie Turnerschaft Klagen-
furt“ unter dem Turnmeister Anton Bauer
erfolgte.
Abb. 1
Aus den freien Gewerkschaften in Klagen-
furt hervorgegangen, wurde der Verein 1931
in „Arbeiter- Turn- und Sportverein Freie
Turnerschaft“ umbenannt. Ziel des Vereines
war
„die Pflege von Leibesübungen auf
volkstümlicher Grundlage als Mittel der
körperlichen und geistigen Ausbildung der
Vereinsangehörigen.“
(KLA 13-C-3893 Ak)
Dies sollte unter anderem durch
gemeinsame körperliche Übungen, durch
Veranstaltungen und Vorträge, gesellige
Zusammenkünfte und die Führung einer
Bibliothek erlangt werden. Neben Klagen-
furt bildete Spittal/Drau eine Hochburg
des frühen Arbeiter-Turnvereinswesens
in Kärnten. Hier waren es der Magazin-
aufseher Alfons Peßler (Obmann) und der
Stationsdiener Franz Letner (Turnwart),
die beim neu gegründeten Arbeiterturn-
verein „Freiheit“ führende Funktionen
übernahmen.
„STRENGET DEN GEIST NICHT AN OHNE DEN KÖRPER“ …
Die Anfänge der ArbeiterInnensportbewegung in Kärnten
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Alois Zipfinger wurde am
30. April 1899 im Gasthaus
„Zur roten Bretzen“ in
Wien-Ottakring zum
Obmann des „Verbandes der
Arbeiter-Radfahrervereine
Österreichs“ gewählt.
© SPÖ
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Exponenten eines
Arbeiter-Schwimmvereines,
1910.
© SPÖ
Die „Freie Turnerschaft
Klagenfurt“ im
Gründungsjahr 1912.
Erinnerungsfoto
vom zehnjährigen
Gründungsfest mit
Bannerenthüllung des
Arbeiter-Radfahrvereines
Klagenfurt und Umgebung.
© KLA