Mobbing

10 AK Infoservice Wenn man sie mit den Folgen ihrer Handlungen konfrontiert (z.B. durch Vorgesetzte, über medizinische Gutachten), geben sie sich überrascht, dass sich jemand „diese Kleinigkeiten“ so zu Herzen nehmen kann. Da- hinter verbirgt sich oft ein weiterer Angriff, indem der Betroffene wegen seiner angeblichen „Schwäche“ bloßgestellt werden soll. Auch die meis- ten Vorgesetzten weisen die Feststellung, dass in ihrem Team oder Be- trieb gemobbt wird, zumeist vehement zurück („Bei uns gibt es so etwas nicht.“). Häufig wird auch den Betroffenen Schuld an ihrer Situation gegeben, weil sie durch ihr auffälliges Verhalten oder ihre „Art“ das Mobbing überhaupt erst verursacht hätten. Tatsächlich ist es zumeist umgekehrt. Hinzu kommen noch branchenspezifische Bedingungen für Mobbing. Grundsätzlich kann beobachtet werden, dass je besser die Arbeit struk- turiert und Erfolge klar erkennbar sind, desto geringer ist die Mobbing- gefahr. Bei nicht messbaren Arbeitserfolgen und betreuenden Aufgaben wie z.B. im Gesundheits- und Verwaltungsbereich kommt Mobbing über- durchschnittlich häufig vor. Durch die starke persönliche Einbindung in die Arbeit bieten sich außerdem mehr Angriffsflächen. Bei Mobbing werden auch die Kollegen zutiefst verunsichert. Oft be- obachten sie die Mobbinghandlungen, ohne dagegen einzuschreiten und tolerieren sie damit stillschweigend. Manchmal werden die Mobbing- handlungen auch belacht („Das ist ja nur Spaß.“) oder offen gutgeheißen („Da trifft es den Richtigen.“). Dahinter stehen zumeist Gruppendruck, die Angst selber ins Schussfeld zu geraten, mangelnde Zivilcourage und Gleichgültigkeit. Wen betrifft Mobbing? Repräsentative Studien ergeben, dass ca. 5,5% der Beschäftigen im Lau- fe eines Jahres von Mobbing betroffen sind. In einem Betrieb mit 500 Mit- arbeitern ist mit 27 Mobbingfällen pro Jahr zu rechnen. Jeder Neunte wird ein Mal in seinem Berufsleben Ziel von Mobbinghandlungen. Niemand ist vor Mobbing gefeit. Jeder Mensch hat „Besonderheiten“, die zum Anlass eines Mobbingangriffs werden können: Stärken (Beliebtheit, Engagement, Fleiß, Intelligenz), Schwächen (geringe Qualifikation, Stot- tern, altmodische Kleidung etc.) oder sonstige Eigenschaften (alt/jung, klein/groß, aus einer bestimmten Gegend usw.).

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